-VorwortMitarbeitern betrieben worden waren. Dieses Forscherteam hatte festgestellt, da beide Gehirnhlften (Hemisphren) an der Steuerung der hheren kognitiven Funktionen des Menschen beteiligt sind und da sie Informationen auf unterschiedliche Weise verarbeiten. Bei der Beschftigung mit den Untersuchungen Sperrys kam mir unversehens die Idee, da das zeichnerische Knnen eines Menschen in erster Linie von einer anderen Fhigkeit abhngen mu - der Fhigkeit nmlich, von der normalen Informationsverarbeitung zu einer ganz anderen Form des Umgehens mit optischen Wahrnehmungen berzuwechseln - von einer sprachlichen, analytischen Verarbeitung (in meinem Buch LinksModus, L-Modus genannt) zu einer rumlichen, ganzheitlichen Verarbeitung (die ich als Rechts-Modus, R-Modus bezeichne). Diese Erkenntnisse - ich werde sie im dritten Kapitel genauer darstellen - halfen mir, eine Antwort auf die Frage zu finden, warum manche meiner Schler leichter zeichnen lernten als andere. Von nun an, vor allem whrend der Arbeit an meiner Dissertation, war ich damit beschftigt, die theoretischen Voraussetzungen meiner Grundthese zu formulieren und die Reihenfolge der Zeichenbungen festzusetzen, die den Aufbau dieses Buches bestimmt. Meine These lautet, da sich der Mensch eine neue Art zu sehen anzueignen vermag, indem er bestimmte Funktionen seiner rechten Gehirnhlfte anzapft, und da er dadurch auf eine einfache Weise zeichnen lernen kann. Auf dieses Ziel hin ist die Reihenfolge der bungen angelegt. Ich bin davon berzeugt, da meine in diesem Buch modellhaft beschriebene Lehrmethode des Hinundherwechselns zwischen dem verbalen, logischen Denken und dem ganzheitlichen intuitiven Erfassen der Umwelt auch von anderen Lehrern und Forschern - sei es auf dem Gebiet der Kunst oder auch in anderen Fchern - bernommen und weiterentwickelt wird. Wie auch immer Wissenschaftler in zuknftigen leiten die strikte Trennungibestimmter Hirnfunktionen und ihre Zuordnung zu jeweils einer der beiden Hirn-Hemisphren beurteilen mgen - in der praktischen Arbeit mit Schlern unterschiedlichsten Niveaus hat sich meine Methode, die auf dieser Zuordnung basiert, als brauchbar und zuverlssig erwiesen. Mit Hilfe dieser Lehrmethode ist es mir gelungen, das Problem zu lsen, das der Ausgangspunkt meiner berlegungen war: wie man allen Teilnehmern eines Zeichenkurses das Zeichnen beibringen kann, und nicht nur einigen wenigen.